Bad am Südpark in Essen – ein Schwimmbad mit gewissem Extra

Bad am Südpark

Es gibt öffentliche Gebäude, die gehören viele Jahre zum Stadtbild. Sie sind einfach nicht wegzudenken, Generationen kennen diese Institution und sie haben so etwas wie eine Seele. Das Bad am Südpark in Essen ist so ein Gebäude, mit dem viele Menschen im Stadtteil Kray aufgewachsen sind. Sie haben im Bad am Südpark schwimmen gelernt und das Seepferdchen gemacht. Sie haben dort so manchen Geburtstag gefeiert, tapfer ein paar Kilogramm abtrainiert und als der Tag des Abschieds kam, Kerzen angezündet und wehmütig ein Glas Sekt getrunken. Das Bad am Südpark ist Vergangenheit, aber vergessen können viele Essener das Hallenbad nicht.

Das Bad am Südpark und seine lange Geschichte

Nach dem Krieg hatte es auch Essen schwer, wieder Fuß zu fassen. Die Stadt war stark zerstört und es dauerte, bis sich wieder so etwas wie ein Stadtbild abzeichnete. Mit den neuen Häusern und dem Wiederaufbau der Kirchen kam auch der Wunsch, wieder Schwimmbäder zu errichten. Die Menschen hatten wieder Zeit, ihre Freizeit in einem Schwimmbad zu verbringen und da man auch in der kalten Jahreszeit schwimmen wollte, entstanden Hallenbäder. So auch im Stadtteil Kray im Osten der Ruhrmetropole. Krays Geschichte beginnt im Jahr 1900 mit dem Bau des Ortskerns. Ursprünglich eine Bauernsiedlung, entwickelte sich Kray im Industriezeitalter schnell zu einem lebhaften Wohnviertel. Mit der Gründung der Zeche „Bonifacius“ bekam Kray zuerst ein Postamt, dann eine eigene Kirche, schließlich einen Bahnhof und eine Straßenbahn. Es fehlte nur noch ein Schwimmbad. Das bekam Kray, das mittlerweile ein Teil von Essen war, 1967 mit dem Bad am Südpark.

Es fehlte das Geld

Das Bad am Südpark öffnete am 2. Juni 1967 seine Pforten und entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt für die Menschen im Stadtteil Kray. Der Betreiber des Hallenbads am Südpark war ursprünglich die Stadt Essen. 1989 ging das Bad am Südpark dann an einen privaten Träger. 14 Jahre später wechselte das Bad am Südpark noch einmal den Besitzer und kam in die Hände der Sport-Betriebs-GmbH und des Essener Sportbundes. Sie wurden 2003 die Pächter des Bades, aber es stellte sich schnell heraus, dass das Bad am Südpark nicht rentabel genug ist. 2008 erfolgte dann ein Bädergutachten und nach einem Beschluss des Rates der Stadt Essen stand fest: Das Bad am Südpark wird Ende November 2014 endgültig geschlossen. Im Dezember 2014 war es dann so weit, das Bad am Südpark schloss seine Pforten, und zwar aus finanziellen Gründen. 75.000 Besucher hatte das bekannte Hallenbad im Jahr. 50.000 Schwimmer kamen aus Vereinen und Schulen oder haben im Bad am Südpark einen Schwimmkurs absolviert. Die restlichen 25.000 waren Gäste, die während der offiziellen Öffnungszeiten zum Schwimmen kamen.

Mehr als nur ein Schwimmbad

Für die Einwohner von Essen-Kray war das Hallenbad viel mehr als nur ein Ort, um zu schwimmen. Sie haben auch die Gymnastik- und Fitnessräume genutzt, sie sind die Sauna und unter die Sonnenbank gegangen oder haben im Restaurant „Bounty“ gemütlich zusammengesessen, etwas gegessen und getrunken. Das Bad war seiner Zeit weit voraus und hatte seine Umkleidekabinen und Toiletten im Erdgeschoss untergebracht. So konnten sich auch Menschen mit einer Behinderung ohne Probleme und barrierefrei umziehen und zur Toilette gehen. Beliebt bei den Essenern war vor allem das Hallenbad selbst. Das Becken hatte eine Länge von 25 Metern und eine Breite von 12,5 Metern und die Schwimmer konnten auf fünf 25-Meter-Bahnen gegeneinander antreten. Nicht nur die Kinder haben das Drei-Meter-Brett und das Ein-Meter-Brett heiß geliebt, auch mancher erwachsene Besucher hat auf dem Sprungturm Mut bewiesen. An kalten Tagen machte das Schwimmen besonders viel Spaß, denn das Wasser hatte eine wohlig-warme Temperatur von 30° Grad.

Nicht alle waren zufrieden

Als das Bad am Südpark 2014 seinen Betrieb einstellte, waren viele Menschen in Essen-Kray sehr traurig. Sie hatten das Bad in ihr Herz geschlossen und hier viel Zeit verbracht. Manche, die im Bad am Südpark das Schwimmen gelernt haben, sind mit den Kindern und Enkeln dorthin gegangen und haben ihnen das Schwimmen beigebracht. Jedoch nicht alle Besucher haben das Bad positiv gesehen. Immer wieder gab es Beschwerden, beispielsweise darüber, dass Besucher zu den offiziellen Öffnungszeiten Schwimmkurse besucht haben. Teile des Beckens waren dann gesperrt und das störte viele. Einige Besucher empfanden auch die Musik beim „Wasser-Zumba-Kurs“ als störend und beschwerten sich. Das Bad selbst war in die Jahre gekommen und vor allem für die Duschen wünschten sich die Besucher eine umfassende Renovierung. Das nötige Geld wollten oder konnten die Pächter jedoch nicht mehr aufbringen.

Was kann das neue Bad?

Als das Bad am Südpark seine Pforten schloss, fiel die Entscheidung, das Bad in der Oststadt von Grund auf zu sanieren und zu renovieren. Beim Oststadt-Bad handelt es sich um ein sogenanntes Kombibad, das über ein Hallenbad und ein Freibad verfügt. Das Bad gibt es bereits seit 2004, als es im Rahmen eines neu gebauten Sport- und Gesundheitszentrums entstand. Neben der Möglichkeit zum Schwimmen gibt es im Oststadt-Bad ein breit gefächertes Spektrum an Kursen für alle, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten. Diejenigen, die lange Jahre im Bad am Südpark geschwommen sind, wechselten gerne ins Bad in der Oststadt. Die Stadt gab sich alle Mühe, das Bad neu zu gestalten und das honorieren die Besucher. Passionierte Schwimmer kommen im Oststadt-Bad ebenso auf ihre Kosten wie auch Familien mit Kindern und Senioren, die regelmäßig ihre Bahnen schwimmen. Besonders beliebt ist bei allen Besuchern die große stufenförmige Sonnenterrasse an der Längsseite des Bades.

Fazit

Selbst wenn der Abschied vom Bad am Südpark im Essener Stadtteil Kray vielen schwergefallen ist, mit dem Kombibad in der Oststadt gibt es einen guten Ersatz. Das neue Bad bietet ein Nichtschwimmerbecken und ein Becken nur für die Besucher, die gerne vom Drei-Meter-Brett springen. Dazu kommt ein Lernschwimmbecken für die Kleinen mit einer Rutschbahn sowie ein Planschbecken mit einer Wasserfontäne. Auch das Oststadt-Bad ist barrierefrei und für die ganz kleinen Besucher gibt es eine Wickelecke in der Schwimmhalle sowie einen Wickeltisch in der Umkleide. Im Sommer können die Besucher Beachvolleyball spielen, in der Sonne liegen und für die Kinder gibt es einen großen Spielplatz. Was den Essenern aber besonders gefällt: Sie können ihr Bad im Sommer und im Winter besuchen.

Beitragsbild: @ depositphotos.com / ArturVerkhovetskiy

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